Die Zuwanderung

Im Jahr 2017 ist in Deutschland die Zahl der Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, auf 19,3 Millionen gestiegen, das sind um 4,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dadurch machen Migranten 23,6 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Als Menschen mit Migrationshintergrund werden jene Personen bezeichnet, die entweder selber oder von denen mindestens ein Elternteil mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft geboren wurde.

Die größte Migrantengruppe bilden in Deutschland mit Abstand die Türken mit circa 15 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund, elf Prozent kommen aus Polen, sieben Prozent aus Russland und sechs Prozent aus Kasachstan.

Einerseits sind in den letzten Jahren, nicht zuletzt wegen der Einladung Merkels viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und haben die Bundesrepublik zu einem der bedeutendsten Einwanderungsländer der Welt gemacht. Andererseits sind es aber bei Weitem nicht nur Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Auch viele Bürger der Europäischen Union nützen die Personenfreizügigkeit und kommen nach Deutschland, um sich hier anzusiedeln. Dass auch so viele Europäer, vor allem aus den Ländern des Ostens, nach Deutschland kommen, ist vor allem der wirtschaftlichen Entwicklung zu schulden, die auf viele arbeitswillige Einwanderer wie ein regelrechter Jobmagnet wirkt. Die meisten Arbeitsmigranten, die in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, stammen aus Rumänien, Bulgarien und Polen.

Die Abwanderung

Während Deutschland einerseits mit der Zuwanderung und Flüchtlingsströmen kämpft, sind es aber auch die Deutschen, die in großen Zahlen das eigene Land verlassen. So waren es im Jahr 2016 immerhin 281.000 Deutsche, die ausgewandert sind.

Immerhin bilden die Deutschen beispielsweise in Österreich die größte Gruppe an Zuwanderern, noch weit vor Türken oder Menschen aus Ex-Jugoslawien.

Zu den Auswanderern gehören vor allem junge und qualifizierte Menschen, ein großer Teil von ihnen sind Akademiker und Führungskräfte. Rund 70 Prozent machen die hochqualifizierten Auswanderer aus.

Als Hauptgründe für die Auswanderung geben über 70 Prozent an, dass sie im Ausland neue Erfahrungen machen möchten, rund zwei Drittel geht aus beruflichen Gründen ins Ausland, die Hälfte der Auswanderer verlässt Deutschland aufgrund des Partners oder der Familie, über 40 Prozent geben an, sich einen höheren Lebensstandard zu erwarten oder aufgrund der Unzufriedenheit in Deutschland das Land für immer zu verlassen.

In den letzten Jahren zog es die meisten Deutschen in die Schweiz, nach Österreich oder in die USA. Erstaunlicherweise nimmt Polen bereits den vierten Platz als Auswanderungsziel ein, gefolgt von Großbritannien, Spanien, Frankreich und der Türkei.

Befragungen zufolge werden aber nicht alle Auswanderer in ihrem Zielland glücklich.

Die Sterblichkeitsrate in Deutschland

Die Sterblichkeitsrate oder auch als Mortalität bezeichnet, gibt an wie viele Todesfälle es bezogen auf die Gesamtbevölkerung gibt.

Die Zahl der Todesfälle pro Zeit und pro Gesamtbevölkerung, zum Beispiel pro Jahr auf 1000 Personen, wird als rohe Mortalität bezeichnet.

Außerdem wird die Sterblichkeitsrate nach Altersklassen angezeigt, wie beispielsweise die Kindersterblichkeit. Wenn man die Sterblichkeitsrate auf die Zahl aller an einer Krankheit Leidenden ausdrückt, spricht man von einer Letalität. Spricht man von Mütter- oder Säuglingssterblichkeit, leitet man die Zahl von der Zahl der Geburten und nicht von der Gesamtbevölkerung ab.

Eine Mortalitätskurve zeigt an, wie hoch die Sterblichkeit im Altersverlauf ist. Dabei wird auf der Y-Achse die Sterberate dargestellt und auf der x-Achse die Alter. So zeigt sich bei Mortalitätskurven von Deutschland, das die Sterberate im ersten Jahr in etwa auf dem gleichen Wert ist, wie bei 50-Jährigen, was mit dem doch noch immer bestehenden Risiko einer Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit zusammenhängt. In der Folge nimmt die Sterblichkeitsrate aber sehr stark ab und ist bei einem Alter von etwa acht Jahren auf einem absoluten Tiefpunkt.

Es ist bedenklich, dass in Deutschland die Säuglingssterblichkeit höher ist als in den Nachbarländern. Immerhin stirbt hierzulande noch immer jedes 300. Baby im ersten Lebensjahr. Nicht nur die skandinavischen Länder haben hier deutlich niedrigere Werte, auch Länder wie Österreich, Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland schneiden besser ab.

Manche Ärzte begründen dies damit, dass die Mütter heute ihre Kinder in einem deutlich höheren Alter bekommen als früher, was mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten einhergeht. Immerhin ist der Anteil der Frühgeburten in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren von 7,6 auf 9,2 Prozent angestiegen.

Es kann auch beobachtet werden, dass die Säuglingssterblichkeit in schwächeren sozialen Gruppen am höchsten ist, weil die werdenden Mütter hier häufiger rauchen oder weniger auf ihre Gesundheit während der Schwangerschaft achten. So kann beispielsweise beobachtet werden, dass in Regionen, die von einer hohen Arbeitslosigkeit betroffen sind bzw. in denen ein hoher Anteil an Sozialhilfeempfängern lebt, die Säuglingssterblichkeit am höchsten ist.

Interessant ist, dass Unfälle mit fast 50 Prozent die häufigste Todesursache sind. Besonders in der Gruppe der 15- bis 20-Jährigen sind Unfälle das größte Risiko für den Tod, gefolgt von Mord und Suizid. Auch mit dem zunehmenden Alter bleiben die Unfallhäufigkeit und die Suizidrate relativ unverändert. Erst ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren bilden Krankheiten den größten Teil der Todesursachen.

Neben der Sterblichkeitsrate wird in demografischen Daten oft die durchschnittliche Lebenserwartung herangezogen.

Die Geburtenrate weltweit

Die Geburtenrate aller entwickelten Länder der Welt liegt derzeit bei 1,6 Kindern pro Frau. Von etwa 200 Ländern der Welt bekommen in rund 90 Ländern Frauen durchschnittlich 2,1 oder weniger Kinder. Unter diese Länder fallen nicht nur jene aus Europa, sondern auch Länder, die demografisch schwer ins Gewicht fallen wie China, Japan und Brasilien. Auch in Ländern, in denen es von Seiten des Staates leicht gemacht wird, Beruf und Kinder gut unter einen Hut zu bringen, wie dies etwa in Skandinavien, Frankreich oder den Niederlanden der Fall ist, bekommen die Frauen im Durchschnitt maximal zwei Kinder.

Dies bedeutet, dass mittlerweile die Hälfte der weltweiten Bevölkerung in Ländern lebt, in denen die Geburtenrate den Bestand an Bewohnern nicht mehr halten kann. In fast ganz Europa bekommen die Frauen heute rund ein Kind weniger als ihre Eltern Kinder bekommen haben, und sogar um zwei Kinder weniger ihre Großeltern.

Besonders stark ist der Geburtenrückgang in Entwicklungs- und Schwellenländern. In Brasilien beispielsweise ist die Zahl der Kinder, die eine Frau im Durchschnitt zur Welt bringt, in den letzten 30 Jahren von 4,3 Kindern auf nur 1,9 Kinder gesunken, in Bangladesch ging die Zahl von 6,6 Kindern pro Frau auf 2,3 Kinder pro Frau zurück. Ein Extremfall ist der Iran, hier sank die Zahl von sieben Kindern pro Frau auf 1,8 Kinder pro Frau.

Auch in diesen Ländern gelten ähnliche Erklärungen für den Geburtenrückgang wie in westlichen Industrienationen. Indem sich die Überlebenschancen für Kinder verbessert haben, können sich die armen Menschen weniger Nachwuchs leisten, ohne damit auf die traditionelle Absicherung im Alter verzichten zu müssen.

Man kann auf der ganzen Welt beobachten, dass in den Ländern, in denen sich landwirtschaftliche Lebensgemeinschaften zu Wissens- und Industriegemeinschaften entwickeln, die Kinder vom Produktions- zum Kostenfaktor werden. Auch eine staatliche Absicherung im Alter führt dazu, dass ein Grund für viele eigene Kinder verloren geht.

Wenn in Ländern die Einkommen und der Lebensstandard steigen, wird der Kinderwunsch häufig vom Wunsch nach Selbstverwirklichung und Konsumgütern verdrängt.

Auch die Entwicklung der Frauen hat einen großen Einfluss auf die Geburtenraten. Überall da, wo sich die hierarchischen Differenzen zwischen Mann und Frau auflösen und Frauen einen Zugang zur Bildung und zum Arbeitsmarkt haben, schwindet für Frauen die Notwendigkeit, sich an einen Mann als Versorger zu binden, was früher am besten mit einer großen Kinderschar gelang. Immerhin gilt in allen Gesellschaften der Welt die Bildung der Frau als das wirkungsvollste Verhütungsmittel.

Demnach zeigt sich weltweit das gleiche Phänomen: Wohlstand, Bildung und eine größere persönliche Freiheit sind der Auslöser, dass sich die Menschen mit Familienplanung beschäftigen und die Kinder nicht mehr als Fügung des Schicksals hingenommen werden. Man kann auch beobachten, dass ab einem gewissen Bildungsgrad Paare durchschnittlich weniger als zwei Kinder planen.

Bevölkerungsstruktur in Deutschland

Aus Daten des statistischen Bundesamts geht hervor, dass im Jahr 2016 die Einwohnerzahl in Deutschland 82,52 Millionen Menschen betrug. Das Bundesland, in dem die meisten Menschen wohnen, ist nicht etwa auch das flächenmäßig am größten, sondern es ist Nordrhein-Westfalen. Die zweitmeisten Menschen wohnen im Bundesland Bayern, danach kommt Baden-Württemberg. Es ist naheliegend, dass in den drei Stadtstaaten, Hamburg, Berlin und Bremen, die Bevölkerungsdichte mit Abstand am größten ist.

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland rund 11,58 Millionen Familien, wobei der größte Anteil, rund 5,95 Millionen, auf Familien mit nur einem Kind entfällt. 1,93 Millionen Familien haben drei oder mehrere Kinder. Zudem leben in Deutschland rund 9,7 Millionen Ehepaare, die keine Kinder haben, alleinerziehende Elternteile gab es im Jahr 2017 in Deutschland circa 2,62 Millionen.

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 785.000 Menschen geboren, die meisten davon im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Allerdings ist aus den Statistiken klar ersichtlich, dass in den neuen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern die meisten Kinder pro Frau geboren werden. Betrachtet man das Alter der Mütter, werden die meisten Kinder mit 31 Jahren.

Die Sterbefälle liegen im Jahr 2017 bei 932.000 und sind somit deutlich höher als die Geburten.

Demografischer Wandel und die Macht der Prognosen

Im Durchschnitt bekommen die Deutschen 1,5 Kinder. Doch die Zahl der Bevölkerung und somit die Bevölkerungsdichte in Deutschland ist noch von weiteren Faktoren abhängig, die in diesem Beitrag näher beleuchtet werden sollen. Denn die Zahlen, Prognosen und Werte zeigen vor allem eines: keine rosige Zukunft und das liegt vordergründig an den folgenden Faktoren.

Welche Faktoren spielen eine entscheidende Rolle?

Es ist selbstverständlich nicht nur die Geburtenrate, die in Deutschland zum Tragen kommt. Denn im gleichen Atemzug muss auch die Sterberate der Bevölkerung angeschaut werden. Es ist kein Geheimnis, dass die Lebenserwartung steigt und die Bürgerinnen und Bürger immer älter werden. Das hat zur Folge, dass das Ungleichgewicht nicht mehr tragbar ist. Zu wenig junge Menschen, die für eine viel zu große Anzahl an Menschen im Rentenalter zahlen müssen. Wie kann man dem entgegenwirken? Vor allem mit offenen Türen. Da es offensichtlich zu wenig Nachwuchs gibt, müssen Menschen aus anderen Ländern zuwandern und dazu darf Migration nicht mit einem negativen Image behaftet sein.

Weitere Anreize schaffen

Auch für Frauen ist die Entscheidung, Mutter zu werden, oftmals mit unliebsamen Konsequenzen verbunden. Wenn man sich als Frau gegen die Karriere und für das Muttersein entscheidet, dann ist der Einstieg in das Berufsleben später gar nicht mehr so einfach. Das liegt vor allem daran, dass es oftmals nicht ganz so reibungslos geschieht, wie es eigentlich sollte. Jedoch versucht man auch hier, sich für mehr Anreize stark zu machen. Denn wenn das Elternwerden auch in Deutschland Pluspunkte bietet, die für eine Familienplanung sprechen, gelingt vielleicht auch der Spagat zwischen Beruf und Familie besser. Finanzielle Anreize, wie das Elterngeld, haben im Jahr 2007 nicht wirklich einen Geburtenboom ausgelöst. Aus diesem Grund bleibt außer Frage, dass man sich verstärkt auf neue Anreize oder aber steigende Zuwanderungszahlen fokussieren muss.

Prognosen zeigen, wie kritisch die Lage ist

Das statistische Bundesamt hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und Zahlen veröffentlicht, die sehr erschreckend sind. Hierbei wird der heutige Stand der Geburtenzahlen als Ausgangspunkt verwendet, um eine Prognose für das Jahr 2060 erstellen zu können. Denn dann soll die Gesellschaft im Schnitt nicht nur deutlich älter sein. Die Zahl der Bürgerinnen und Bürger soll von 82 Millionen auf nur noch 67 Millionen sinken und daran werden die steigenden Geburtenzahlen nichts mehr ändern können. Es drücken also mehr Schuhe als es scheint und eine wirkliche Besserung ist nicht in Sicht. Das Thema ist vor allem in Deutschland jedoch höchst kritisch und nicht auf Anhieb lösbar, daher muss es vor allem in der Politik vermehrt zum Thema gemacht werden.

Die Politik ist sehr an einer Lösung interessiert

Auch die Politik hat im Frühjahr 2017 ihren letzten Demografie-Gipfel abgehalten. Aufklärung ist hierbei genauso wichtig wie eine attraktivere Darstellung Deutschlands für Fachkräfte aus dem Ausland. Denn nur so kann man über kurz oder lang der Tendenz und den schrumpfenden Zahlen entgegenwirken.

Dei Bevölkerungsstruktur

Die Demografie gibt an, wie sich eine Bevölkerung zusammensetzt und wie sie sich entwickelt. Dazu werden sowohl statistische als auch theoretische Daten herangezogen. Es wird untersucht, wie sich eine Bevölkerung in Altersstruktur und Anzahl gliedert, wie sie sich geografisch verteilt und welche sozialen und umweltbedingten Faktoren einen Einfluss auf die Veränderungen in der Bevölkerung haben.

Um diese Zusammensetzung zu erforschen, werden Daten statistisch erfasst und gemessen und davon abgeleitet Erklärungs- und Beschreibungsmodelle entwickelt.

Die Demografie setzt sich aus vier großen Bereichen zusammen:

  • Die Geburtenzahl und den Theorien zur Fertilität
  • Die Zu- und Abwanderung und den Theorien zur Migration
  • Die Sterblichkeitsrate und den Theorien zur Mortalität
  • Die strukturelle Gliederung des Bestandes der Bevölkerung

Dabei wird in statistischen Daten aufgegliedert, wie sich die Bevölkerung beispielsweise nach Geschlecht, Alter, Nationalität, Haushaltsgrößen, Lebensgewohnheiten und Lebensstilen zusammensetzt.

In den Bevölkerungsbewegungen wird einerseits beobachtet, wie sich Menschen räumlich bewegen, durch Ab- und Zuwanderungen und Migration, und sich natürlich bewegen, durch Geburten und Sterbefälle. Außerdem werden die Eheschließungen und Scheidungen erfasst.

Statistisch werden auch die Entwicklungen in der Altersstruktur sowie in der Zusammensetzung der Geschlechter erfasst.

Die Wissenschaft, die sich mit der Demografie beschäftigt, nennt sich Bevölkerungswissenschaft. Die Daten werden einerseits durch eine laufend fortgeschriebene Statistik, andererseits durch Befragungen, Stichproben und Volkszählungen erhoben.

So kann anhand von demografischen Daten beispielsweise abgeleitet werden, wie hoch die Lebenserwartung in einzelnen Ländern oder Regionen ist. Interessanterweise haben die Frauen in Andorra, der kleinen Republik in den Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich, mit beinahe 84 Jahren weltweit die höchste Lebenserwartung. Die geringste Lebenserwartung hingegen findet man im südafrikanischen Swasiland, wo die Menschen durchschnittlich nur 61,3 Jahre alt werden.

Anhand von diesem Beispiel kann man ermitteln, welche Einflüsse sich auf die Lebenserwartung auswirken. Dies sind beispielsweise Kriege, Umweltbelastung und in welchem Ausmaß gesunde Ernährung zur Verfügung steht und erschwinglich ist. Auch das verfügbare Trinkwasser hat Auswirkungen auf die Lebenserwartung.

Beachtlich ist,dass vor hundert Jahren die Lebenserwartung lediglich bei 50 Jahren lag und sie seither fast jährlich steigt. Das stellt viele Gesellschaften vor die Herausforderung, dass die Bevölkerungszahl oft stagniert oder nur gering ansteigt, die Gesellschaft zur gleichen Zeit aber immer älter wird.

Die Bevölkerungsentwicklung wird grafisch in sogenannten Bevölkerungspyramiden dargestellt. Üblicherweise wird dabei in der Mitte der Y-Achse das Alter dargestellt und an der X-Achse beiderseits die Anzahl der Bevölkerung in Männer und Frauen. Wenn man so mehrere Bevölkerungspyramiden aus verschiedenen Beobachtungsjahren gegenüberstellt, ist die altersmäßige Entwicklung einer Gesellschaft gut ablesbar.

Für Zukunftsprognosen der Bevölkerungsentwicklung werden in Deutschland werden seit dem Jahr 2014 die Daten aus den Ergebnissen der dreizehnten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung herangezogen. In dieser werden vier unterschiedliche Varianten mit verschiedenen Annahmen für die Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten herangezogen. Diese kann sowohl auf Gesamtdeutschland als auch auf einzelne Bundesländer dargestellt werden.

Die Bedeutung der Bevölkerungsentwicklung für den Staat

Es ist Aufgabe des Staates, für ein funktionierendes Gesundheitssystem, für eine ausreichende Kinderbetreuung, für ein gutes Bildungswesen, für eine ordentliche Pflege von alten Menschen und für ein sicheres Rentensystem zu sorgen. Auch wenn dies in Deutschland nur zum Teil gelingt, werden die demografischen Daten für die Planungen in der Zukunft herangezogen.

Die Bedeutung der Bevölkerungsentwicklung für das Gesundheitssystem

Statistisch gesehen weiß man, dass besonders alte Menschen häufiger erkranken oder zum Arzt gehen, anhand der Bevölkerungsentwicklung kann so abgeleitet werden, welcher Bedarf an Ärzten und Krankenhäusern in Zukunft in einzelnen Städten und Bundesländern gegeben ist.

Auch Kinder sind eine Gruppe, die verstärkt ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen, sei es bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in den ersten Jahren, bei Kinderkrankheiten, bei Schutzimpfungen oder bei Freizeitverletzungen. Auch hier geben die demografischen Daten darüber Auskunft, wie viele Kinderärzte und Spezialkliniken benötigt werden, wie hoch der Bedarf an Impfstoffen in den nächsten Jahren sein wird und wie sich die Kontrolluntersuchungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand der kleinen Staatsbürger auswirkt.

 

Die Bedeutung der Bevölkerungsentwicklung für die Kinderbetreuung und das Bildungswesen

In Deutschland stehen wir vor der Herausforderung, dass in vielen Regionen nicht genügend Kinderbetreuungsplätze und Erzieher zur Verfügung stehen. Anhand der Bevölkerungsprognosen

kann man bereits jetzt ableiten, welcher Bedarf in den nächsten Jahren entstehen wird, wie viele neue Kinderbetreuungseinrichtungen eröffnet werden müssen und wie viele Erzieher man dafür ausbilden muss. Gleiches gilt für das Bildungssystem. Immer wieder gibt es in einzelnen Regionen starke Pensionierungswellen von Pädagogen, was zu einem Lehrermangel führt. Durch demografische Beobachtungen könnten rechtzeitig die benötigten Lehrer ausgebildet werden.

Die Bedeutung der Bevölkerungsentwicklung für die Betreuung und Pflege alter Menschen

Schon jetzt wissen wir anhand statistischer Daten, dass die Bevölkerung immer älter wird, was die Gesellschaft vor eine große Herausforderung in der Betreuung der alten Menschen führt. Indem man sieht, dass der Bedarf durch inländische Kräfte in der Altenpflege unmöglich zu decken ist, hat man schon vor Jahren begonnen, „offizielle“ Modelle von Betreuungskräften aus Osteuropa zuzulassen, um den Pflegenotstand, der womöglich noch viel größer wird, einigermaßen decken zu können.

Die Berechnung der Renten

Leider hat es Deutschland versäumt, das staatliche Rentensystem so aufzubauen, dass auch jene Bürger, die jetzt noch jung sind, in einem entsprechenden Alter von ihrer Rente leben können. Hier wurden die demografischen Daten wohl zu lange ignoriert.

Die Fertilitäts- und und Mortalitätsrate

Die Fertilitätsrate

Die Fertilitätsrate bringt die Gesamtfruchtbarkeitsrate oder die zusammengefasste Geburtenziffer einer Gesellschaft zum Ausdruck.

Heute errechnet man, dass in einer modernen Gesellschaft mit einer niedrigen Kinder- und Säuglingssterblichkeit jede Frau im Durchschnitt 2,1 Kinder gebären müsste, um die Bevölkerung aufrecht zu erhalten, wenn man die Migration unberücksichtigt lässt. Diese Zahl ergibt sich, weil von 1.000 Geburten nur rund 485 bis 490 Mädchen auf die Welt kommen und weil auch in hochentwickelten Ländern Frauen sterben, bevor sie in das fruchtbare Alter kommen.

In China, wo es pro 100 Mädchen 119 Jungen gibt, müsste jede Frau 2,38 Kinder gebären, um die Bevölkerungszahl aufrecht zu erhalten.

Wiederum ist in Ländern mit einer hohen Kindersterblichkeit eine größere Fertilitätsrate notwendig, damit die Bevölkerungszahl aufrecht erhalten werden kann. Es gibt Gebiete, in denen die Kindersterblichkeit bis zu 50 Prozent beträgt, dort wäre eine Fertilitätsrate von vier notwendig, um die Bevölkerung auf dem gleichen Niveau zu erhalten.

Ein vorübergehendes Bevölkerungswachstum wird aber auch bei einer Fertilitätsrate, die unter 2,1 liegt, möglich, wenn die Mortalitätsrate (Sterblichkeitsrate) niedrig ist und die Jahrgänge, die im gebärfähigen Alter sind, einen großen Prozentsatz einnehmen. In westlichen Ländern wird der Bevölkerungsrückgang allerdings meist durch Migration ausgeglichen.

Beeinflusst wird die Fertilitätsrate nicht nur von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, sondern auch von Naturkatastrophen, Kriegen, staatlichen Unterstützungen für Eltern und Kinderbetreuungsplätzen. In den 70er Jahren hatte die Verbreitung der Antibabypille einen besonders großen Einfluss auf den Geburtenrückgang in westlichen Ländern. In anderen Ländern wie beispielsweise China sorgt die Einkind-Politik für die Kontrolle des Wachstums der Bevölkerung.

Die Geburtenrate in Deutschland

In den letzten Jahren steigt die Geburtenrate in Deutschland wieder an. Das liegt laut Statistikern daran, dass vermehrt Frauen zwischen 30 und 37 Jahren Kinder gebären. Es ist bereits zwanzig Jahre her, dass zuletzt so viele Kinder geboren wurden.

Die Geburtenrate steigt in allen Bundesländern an, allerdings fiel der Anstieg in den Stadtstaaten und in den westdeutschen Bundesländern höher aus als in den ostdeutschen Bundesländern. Der Anstieg der Geburtenrate beträgt bei Frauen, die nicht über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügen, 25 Prozent, aber auch bei Frauen mit deutscher Staatsbürgerschaft liegt der Anstieg bei drei Prozent.

Damit liegt die Geburtenziffer pro Frau bei insgesamt 1,59 Kinder. Ein derartig hoher Wert wurde seit 1973 nicht mehr gemessen. Auch hier gibt es wieder einen deutlichen Unterschied zwischen deutschen Frauen und Migrantinnen. Während bei Frauen mit deutscher Staatsbürgerschaft die Geburtenziffer bei 1,46 Kindern pro Frau liegt, liegt sie bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei 2,28 Kindern.

Insgesamt liegt Deutschland damit dennoch knapp unter dem europäischen Durchschnittswert von 1,6 Kindern pro Frau. In Italien und Spanien ist die Geburtenziffer am niedrigsten, Frankreich hat in Europa den höchsten Wert an Geburten pro Frau.